Die Karten 0- 10

 

 Trotz der großen Deutungsvielfalt ist diese Karte relativ leicht zu erfassen.
Der Narr symbolisiert das Kind in uns. Er steht für spontanen Neubeginn und vorurteilsfreie Offenheit. Er ist der Parcival, der seine Reise ins Leben beginnt.

 

Die Karte  kann  sowohl für ein kindliches Gemüt stehen, dem damit verbundenen Leichtsinn,  Naivität, Verspieltheit - oder Dummheiten anzeigen.

 

Manchmal, wenn es passt, jedoch das Höchste: die Schlichtheit weiser und demutsvoller Einsicht, zu der wir am Ende einer langen, oft mühevollen Suche gelangen können.

 

Der Narr lebt ganz in der Gegenwart, ist offen, ehrlich und spontan, stets bereit, neue Erfahrungen zu machen.
Ob diese Haltung jedoch unserer hartnäckigen Weigerung entspringt, je erwachsen zu werden, oder die lebenskluge Einsicht geistiger Reife ist, kann nur außerhalb der Karte beurteilt werden.

 

Der Narr weist auf erfrischende Erfahrungen hin, die auch tollpatschige oder chaotische Züge tragen können, aber, selbst wenn wir »auf die Nase fallen«, keine wirkliche Gefahr bedeuten.

 

 Der Magier symbolisiert Klugheit, Geschicklichkeit, Selbstbewusstsein und eine aktive Lebensgestaltung.
Er steht dafür ein, dass schwierige Probleme gemeistert und Herausforderungen mit einem geschärftem Bewusstsein und wacher Lebensklugheit erfolgreich begegnet werden.

Diese Karte stellt Stärke der Bewusstseinskräfte dar und betont, dass das Gespür und andere unbewusste Kräfte nicht vernachlässigt werden dürfen.
Die außerordentliche Einflusskraft und Wirksamkeit, die durch den Magier angezeigt sind, beruhen auf dem Geheimnis tiefer Harmonie zwischen Bewusstem und Unbewusstem.
Nur die dadurch entstehende innere Gewissheit kann Berge versetzen.

 

Die Hohepriesterin steht für die unbewussten Kräfte, für unser Feingespür, unser Ahnungsvermögen und eine oft unerklärliche aber tief verwurzelte Gewissheit.
Sie ist der Schlüssel zu der geheimnisvollen Wahrheit, die sich dem Zugriff des logisch denkenden Verstandes entzieht.
Sie weiß, dass die Wahrheit, die wir aussprechen können, niemals die ewige Wahrheit ist.
Mit ihrer lichten Seite ist sie Ausdruck von Geduld, Verständnis, Nachsicht, Güte und der Bereitschaft zu verzeihen, und setzt als Helferin, Heilerin oder Seherin die Macht der unbewussten Kräfte zum Wohle anderer ein.
Ihre Schattenseite dagegen entspricht dem Archetyp der »dunklen Schwester«, der Hexe, die die Macht der Seelenkräfte nutzt, um andere zu verführen, zu lähmen oder anders zu schädigen.

In der Tarotdeutung wurde aber immer ihre freundliche, hilfreiche Seite hervorgehoben. Sie gilt traditionell als eine der drei Schutzkarten , was der Vorstellung der christlichen Mythologie entspricht, wonach der Held, der unter dem Schutz der Jungfrau steht, unverletzlich ist.

 

 Die Herrscherin verkörpert die unerschöpfliche Kraft der Natur, mit der sie immer neues Leben hervorbringt.
Sie steht damit für Lebendigkeit, Fruchtbarkeit, Wachstum und die Geburt des Neuen.
Sie ist die unversiegbare Quelle alles Lebens, die unser kreatives Potenzial und unsere Fähigkeit anzeigt, Impulse aufzunehmen und daraus Neues entstehen zu lassen.
Das heißt auf der körperlichen Ebene Wachstum und Fruchtbarkeit, auf der seelischen Ebene künstlerische Schaffenskraft, auf der Ebene des Verstandes Ideen- und Erfindungsreichtum und im Bereich des Bewusstseins Erkenntniszuwachs.
Die ständige Geburt des Neuen bedeutet die fortwährende Veränderung unseres Lebens, und manchmal auch die Notwendigkeit, die Schmerzen dieser Geburten zu ertragen.

 Der Herrscher steht für Beharrlichkeit, für unser Verlangen nach Strukturen, Stabilität, Sicherheit und Kontinuität.

In seiner besten Weise zeigt er sich als der Verwirklicher, als die Tatkraft, die Ideen, Wünsche und Absichten zu Wirklichkeit werden lässt.
Darüber hinaus steht er für unseren Ordnungsinn, für Nüchternheit, Disziplin, Verantwortung und wirklichkeitsnahe Handlungsweise.

 Der Hierophant steht für die Welt des Glaubens und einem der Glaubensgewissheit entspringenden tiefen Vertrauen.

In alter Zeit galt er als eine der drei Schutzkarten des Tarots , die den Verlauf einer Angelegenheit grundsätzlich günstig stimmten.

Dies Verständnis hat viel für sich, da die durch ihn ausgedrückten Vertrauenskräfte sich sowohl auf unser Selbstvertrauen beziehen, als auch auf das Vertrauen in den tiefen Sinn unseres persönlichen Lebens und einem sich daraus ergebenden Vertrauen in unsere Zukunft.

Darüber hinaus zeigt diese Karte den Weg der Ethik und Tugend und steht für unsere auf moralischen Grundwerten beruhenden persönlichen Vorsätze.

 Diese Karte steht für die Herzensentscheidung und verbindet dabei zwei große Themen.
Sie weist auf eine große Liebeserfahrung hin, führt aber auch die Erkenntnis vor Augen, dass mit diesem Schritt eine notwendige Entscheidung verbunden ist: die Absage an den bisherigen Lebensrahmen (das Elternhaus, die vielen Liebeleien, das Junggesellendasein) und das klare Bekenntnis zu der einen Liebe.
Nur dieser Schritt führt zu der überwältigenden Erfahrung, die diese Karte zeigt.
Deshalb wurde die Karte früher »Die Entscheidung« genannt. Sie kann auch auf notwendige Entscheidungen hinweisen, die wenig oder gar nichts mit Liebe zu tun haben.
In solchen Fällen bedeutet sie, dass wir uns aus vollem Herzen entscheiden sollen, ohne Groll und ohne uns Türchen offen zu halten.
Welchen der beiden Themenkreise die Karte betont, lässt sich nur vor dem Hintergrund der gestellten Frage feststellen. In jedem Fall bedeutet sie das große, vorbehaltlose »Ja«.

 

 

Der Wagen steht für den großen Sprung nach vorn.
Er zeigt, dass wir uns aus vertrautem Umfeld lösen und eigene Wege gehen.
Dabei sind Freiheitsdrang, Ehrgeiz, die Suche nach dem verlorenen Paradies oder schlicht unser Geltungsbedürfnis die treibenden Kräfte.
Der Wagen ist die einzige Tarotkarte, die den Aufbruch voller Zuversicht und Freude zeigt.
In allen anderen Fällen ist der Abschied von Gefühlen der Schwere und der Angst gekennzeichnet.
Hier jedoch geht es um forsches, unverzagtes Vorwärtsdrängen, um Unternehmungslust und große Risikobereitschaft.
Die Karte zeigt hohe Geschicklichkeit an (das Lenken des Wagens), gleichzeitig aber auch Unerfahrenheit (das Betreten einer unbekannten Welt).
Deshalb muss sie auch als eine Warnung verstanden werden, die eigenen Kräfte nicht zu überschätzen, nicht zu selbstsicher und euphorisch aufzutreten.
Stattdessen sollten wir rechtzeitig zur Einsicht gelangen, dass wir noch viel zu lernen haben.

 

 Die Karte Gerechtigkeit beinhaltet mehrere Themenkreise. Sie steht für die klare, objektive Erkenntnis, für das bewusst und entschieden getroffene Urteil, für Unbestechlichkeit, Ausgewogenheit und Fairness und zeigt, dass wir zu unserem Recht kommen.

Auf einer alltäglichen Ebene heißt sie, dass wir unsere Umwelt wie unser Echo erleben, und wir im Guten wie im Schlechten mit den Folgen unseres Tuns konfrontiert werden: Dort wo wir uns aufrichtig und fair verhalten, werden unsere Handlungen anerkannt und entsprechend honoriert; wo wir aber mit fragwürdigen Mitteln Vorteile erschleichen wollen, werden wir scheitern.
Damit drückt diese Karte auch ein hohes Maß an Selbstverantwortlichkeit aus.
Sie zeigt, dass uns nichts geschenkt aber auch nichts vorenthalten wird, und dass wir damit für all das, was wir bekommen und erleben allein und selbst die Verantwortung tragen.

 

Der Eremit ist die Karte der Zurückgezogenheit und der inneren Einkehr.
Sie kennzeichnet introvertierte Lebensphasen, in denen wir uns gegen Fremdeinflüsse abschirmen, um abseits von Geschäftigkeit und vielen Menschen zur Ruhe und vor allem zu uns selbst zu kommen.
Damit steht der Eremit für bedeutsame Erfahrungen, in denen wir erkennen können, wer wir sind, was wir wollen und wie wir dahin kommen.
Er vereinigt in sich zwei wertvolle Extreme: die Tiefe des Erlebens und die Höhe der Erkenntnis. Zu Unrecht wird diese Karte von vielen Menschen gefürchtet.
Nur dort, wo seine Qualitäten missverstanden werden, kommt es zu Ängsten der Einsamkeit, der Verlassenheit. Wer dem Ruf des Eremiten bereitwillig folgt, wird sich bereichert finden an Klarheit, Kraft und der beglückenden Erfahrung, mit sich allein sein zu können.

 

 Je nach der Art, wie wir unserem Schicksal gegenübertreten, erleben wir das Schicksalsrad entweder als Ausdruck unserer Macht- und Hilflosigkeit oder als Hinweis auf eine Lebenserfahrung, an der wir wachsen und reifen können.
Auf der Ereignisebene zeigt das Rad in der Tat häufig Situationen, auf die wir zunächst keinen Einfluss haben. Der Abschwung des Rades heißt dann, dass unsere Vorhaben einfach nicht klappen.
Das Wetter, der Straßenverkehr, ein Fluglotsenstreik, die Tücke des Objektes oder eine andere »höhere Gewalt« machen unsere Pläne zunichte. Auf einer tiefen Ebene steht diese Karte für unsere Lebensaufgabe.
Dabei symbolisiert das Rad das Rad der Zeit, das sich nun soweit vorwärts gedreht hat, dass die Zeit gekommen ist, das zu verwirklichen oder zu meistern, was Gegenstand der Frage war.

 

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